08.03.17: Offener Brief an Globus-Chef Thomas Bruch und Innenminister Klaus Bouillon


Der offene Brief der Bürgerinitiative erwidert auf die ganzseitigen Anzeigen, die Globus  am 24.02.17 in der Saarbrücker Zeitung und der Bildzeitung sowie am 01.03.17 im Wochenspiegel geschaltet hat.

 

Zur Globus-Ansiedlung in Neunkirchen

Offener Brief an
Herrn Thomas Bruch, Chef des Globus-Konzerns, und an
Herrn Minister Klaus Bouillon

Sehr geehrter Herr Bruch,
in ganzseitigen Anzeigen werben Sie für Ihren geplanten Globus-Markt in Neunkirchen. Die Argumente, die Sie für eine Ansiedlung aufführen, sind so einseitig und auf Ihr Geschäftsinteresse ausgerichtet, dass wir diese als Bürgerinitiative nicht stehenlassen können.

Durch Ihre Ansiedlung werden keine zusätzlichen Arbeitsplätze geschaffen
Bei der Neueröffnung eines Marktes kommt es keineswegs zu einer Konsumsteigerung der Verbraucher, sondern Kaufkraft wird lediglich in der Region verlagert. Da ein Globus SB-Warenhaus äußerst effizient arbeiten kann, d.h. pro Mitarbeiter einen höheren Umsatz realisiert als andere Einzelhändler, wird die Region insgesamt sogar Arbeitsplätze verlieren.
Die Kaufland-Mitarbeiter, die bei unserer Podiums-Diskussion am 16.02.2017 anwesend waren, haben ihre Angst vor einem Arbeitsplatzverlust deutlich artikuliert. Sie haben sich bereits erkundigt, was ein Wechsel zu Globus für sie bedeuten würde – einen spürbaren Gehaltsverlust, da Sie, Herr Bruch, mit Ihrem Unternehmen aus dem Flächentarifvertrag des Einzelhandels ausgestiegen sind.

Das Verkehrsaufkommen in Neunkirchen wird immens ansteigen
Sie rechnen am Neunkircher Globusmarkt mit einem riesigen Einzugsgebiet. An der Kreuzung Westspange / B41 würden zukünftig 20.000 – 30.000 zusätzliche An- und Abfahrten an PKW und LKW täglich passieren. Die B 41 und die Westspange als Haupteinfallstraßen nach Neunkirchen wären mit einem heute unvorstellbaren Verkehrsaufkommen belastet und ständig “verstopft“. Viele Autos würden sich andere Wege von und zur Autobahn suchen z.B. über Heinitz, die Neunkircher Oberstadt oder die Spieser Straße.
Es wäre fair, wenn Sie die Menschen in Neunkirchen fragen, ob sie lieber 15 Minuten Anfahrt zum nächsten Globus-Markt in Kauf nehmen oder lieber tägliche Verkehrs-, Schadstoff- und Lärmbelästigungen ungekannten Ausmaßes hätten.

Laut Landesentwicklungsplan ist Ihr Vorhaben unzulässig
Es erstaunt uns auf das Äußerste, dass Ihre Mitarbeiter den Landesentwicklungsplan bemühen, um die Ansiedlung zu rechtfertigen, da dieser doch gerade eine Ansiedlung ausschließt und dies in mehreren Punkten: Das Vorhaben verstößt gegen das städtebauliche Integrationsgebot (Z 46), das Kongruenzgebot (Z 44) und das Beeinträchtigungsverbot (Z 45).
Das Beeinträchtigungsverbot hat Ihr Unternehmen mit Hilfe eines selbst beauftragten Einzelhandelsgutachten zu entkräften versucht. Dabei wurden Rahmenbedingungen derart fern jeder Realität gesetzt und etliche Einzelhandelsgeschäfte einfach nicht mit eingerechnet, dass sich Fachleute über diese Dreistigkeit erstaunt die Augen reiben.
Ein unabhängig von Globus beauftragtes Gutachten ermittelt eine existenzvernichtende Beeinträchtigung des Einzelhandels in den umliegenden Gemeinden.
Des Weiteren ist im Landesentwicklungsplan verbindlich festgelegt, dass Wald für Siedlungszwecke nur dann in Anspruch genommen werden darf, wenn das Wohl der Allgemeinheit dies erfordert (Z 24).
In Neunkirchen würde Wald aus privatwirtschaftlichen Interessen vernichtet. Ihre Standortplaner schreiben selbst, dass es Ihnen darum geht – an diesem extrem günstig gelegenen Standort – Marktanteile von Edeka und Rewe zu erobern.

Schade, dass Ihr viel beworbenes Umweltbewusstsein dort endet, wo Ihr eigenes Geschäft anfängt
Sehr geehrter Herr Bruch, in Ihrer Unternehmensphilosophie ist viel von Werten, von gesellschaftlicher Verantwortung und von Umweltschutz zu lesen. In Neunkirchen besitzen Sie jedoch keine Skrupel, ein preisgekröntes Naturschutzgroßprojekt zu beschädigen und eine 60.000 m² große Waldfläche abzuholzen und zu betonieren.
Sie führen in Ihrer Werbeanzeige an, dass die Bäume auf der Bergehalde erst 50-60 Jahre alt sein können. Sie verschweigen jedoch, dass Sie nicht auf der Halde, sondern auf der Vorfläche der Halde planen, deren Eichen- und Buchenbestand 80 – 100 Jahre alt ist und über einen ökologisch besonders wertvollen Altholzbestand verfügt.
Ihre in Werbeprospekten zitierte Achtung vor der Natur enttarnt sich als leere Marketinghülse, wenn sie dort endet, wo das eigene Geschäft anfängt. Erklären Sie beim nächsten Globus-Kinderumwelttag, warum in Neunkirchen 10 Fußballfelder Wald vernichtet werden, wenn in der Nähe freie Flächen liegen?


Sehr geehrter Herr Innenminister Klaus Bouillon, auch an Sie möchten wir ein Wort richten.

Es wäre Ihre Aufgabe als zuständiger Planungsminister, dem Globus-Konzern mitzuteilen, dass die Planungen mit den Vorgaben des Landesentwicklungsplans nicht vereinbar sind. Oder planen Sie in einer nächsten Legislaturperiode tatsächlich, in einer „lex globus“ einen auf Globus zugeschnittenen Landesentwicklungsplan durchzusetzen? So wie es die Stadt Neunkirchen mit ihrem Einzelhandelskonzept 2015 bereits getan hat?
Überregionale Medien und Fachleute beobachten gespannt, wie im Saarland versucht wird, eine in keinem Bundesland mehr mögliche Ansiedlung eines großen SB-Warenhauses auf der grünen Wiese durchzudrücken. Dass dafür sogar ein 60.000 m² großes Waldgebiet gerodet werden soll und man ein bestehendes Planungsverbot auszuhebeln versucht, macht alle fassungslos.

Mit freundlichen Grüßen
Bürgerinitiative Pro Betzenhölle – Für Natur und Leben in den Ortskernen